Der Preis für Mode - Kinderarbeit auf Baumwollfeldern
Kinderarbeit in der Herstellung von hybridem Baumwollsaatgut in Indien
Qualitätsverbesserung und Produktionssteigerung in der indischen Baumwollbranche, und damit die Entstehung von neuen Arbeitsplätzen in Indien - dieser scheinbar positive Prozess wurde mit Beginn der Herstellung von hybridem Baumwollsaatgut in Indien in Gang gesetzt. Nur scheinbar positiv ist diese Entwicklung im Hinblick auf die in den Produktionsstätten beschäftigten Kinder: in Indien arbeiten ca. 450.000 Kinder in diesen Betrieben.
Hybrides Saatgut entsteht aus der Kreuzung zweier reinrassiger, aber verschiedener Baumwollpflanzen. Das Ergebnis dieser Kreuzung sind "Pflanzen-Mischlinge", welche sich durch ihre größere Leistungsfähigkeit gegenüber den natürlichen Baumwollpflanzen auszeichnen, da sie beispielsweise mehr Baumwollfasern haben. Da diese Mischlinge selbst nicht fruchtbar sind, müssen jedes Jahr aufs Neue Pflanzen gekreuzt werden. Dieses Kreuzen der Pflanzen ist eine komplizierte und stupide Tätigkeit, die sehr viel Zeit in Anspruch nimmt: 90% des gesamten Arbeitsaufwandes richtet sich darauf. Die meiste Zeit sind die Kinder also auf den Feldern damit beschäftigt, das Deck- und Blumenblatt und den Staubbeutel der Baumwollpflanzen zu entfernen, um dann den jeweils eigenen Samen der Pflanzen durch den fremden Samen zu ersetzen.
Die Kinder arbeiten in den Baumwollfarmen zwischen 9 und 13 Stunden täglich und sind meist als Schuldknechte angestellt. Ihr Verdienst liegt bei 18 Rupien pro Tag, was 0,42 Euro entspricht. Neben der Kreuzung der Pflanzen besteht ihre Arbeit darin, das Saatgut auszusäen und zu ernten. Da sie zwischen 7 und 8 Monaten im Jahr arbeiten müssen, haben sie keine Möglichkeit, eine Schule zu besuchen. So haben 60% von ihnen nur wenige Jahre eine Schule besucht, 30% waren sogar nie in schulischer Ausbildung. Neben der fehlenden Schulbildung hat die Arbeit außerdem drastische gesundheitsschädigende Auswirkungen: In den Baumwollbetrieben werden ca. 55% aller in Indien eingesetzten Pestizide verwendet (Indien folgt hier dem weltweitem Trend: obwohl der Baumwollanbau insgesamt nur 3% ausmacht, werden dort 20% aller Pestizide eingesetzt). Diese hochgefährlichen Stoffe nehmen die Kinder vor allem bei der Kreuzung der Blüten auf, da sie dabei sehr nah an den Pflanzen sein müssen. Die Gifte schädigen das Nervensystem der Kinder, was zu Symptomen wie beispielsweise Kopfschmerzen, Orientierungslosigkeit oder Schwächeanfällen führt.
Kinderarbeit auf den Baumwollfeldern Ägyptens Jährlich werden über eine Million Kinder im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren für verschiedene Tätigkeiten auf den Baumwollfeldern Ägyptens engagiert. Sie können sowohl bei der Ernte der Baumwolle, als auch bei der Schädlingungbekämpfung eingesetzt werden. Baumwolle wird in riesigen Monokulturen angepflanzt und ist deshalb äußert anfällig für Ungeziefer. In den Sommermonaten müssen die Kinder also mit der Hand Reihe für Reihe die Baumwollpflanzen nach einer bestimmten Raupenart absuchen und die infizierten Blätter entfernen.
Die Verwendung von Kindern ist dabei so beliebt, weil die Stauden zu dieser Zeit noch relativ klein sind, und Erwachsene sich den ganzen Tag bücken müssten. Dennoch werden die Pflanzen immer noch vierzehnmal von der Ernte gespritzt, unter anderem mit Mitteln, die von der WHO als "äußerst gefährlich" eingestuft werden. Man geht davon aus, dass jährlich circa 28.000 Todesfälle unter den Baumwollpflückern durch die Verwendung dieser Pestizide verursacht werden. Kinder sind dabei in höherem Maß gefährdet, da ihre Organe für den Abbau von Schadstoffen noch nicht vollständig ausgebildet sind und die Aufnahme durch ihre dünnen Hautschichten erleichtert ist. Viele leiden folglich an chronischen Augenentzündungen, Nieren- und Leberproblemen oder Atemwegserkrankungen.
Auch diese Form von Kinderarbeit ist nicht frei von Gewalt - nach den Worten eines zehnjährigen Jungen: "Unser Vorarbeiter ist noch relativ nachsichtig mit uns ... Wenn ein Kind absichtlich eine Staude auslässt, wird es geschlagen, aber nicht, wenn es versehentlich einen Fehler macht. Er befiehlt ihm die Hände auszustrecken und schlägt mit seinem Stock darauf ein."
Quelle http://www.aktiv-gegen-kinderarbeit.de/baumwolle.htm
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