Bist Du ein “Öko”?
6. Februar 2009 von Sybille
Es ist schon wirklich erstaunlich, wie sich Menschen ändern, wenn einmal Nachwuchs da ist. Ich kann mich noch gut erinnern, dass in meiner Jugend über öko, bio und gesunde Ernährung so gut wie keiner gesprochen hat. Meine Mutter hat schon früh angefangen, gesund und vollwertig zu kochen und es gab bei uns Grünkernpflänzchen und Kässpatzen aus Vollkornmehl. Da waren wir aber noch die große Ausnahme. Lange bevor irgendjemand aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis sich in dieser Weise Gedanken gemacht hat. Wie jedoch die ersten Babys auf die Welt kamen, wurde plötzlich alles anders. Schlagartig änderte man sein Verhalten, stieg auf gesunde und ökologische Produkte um und suchte auch immer öfter mit den Kindern einen Heilpraktiker auf. Jeder hatte auf einmal irgendwelche Globolis für alle möglichen Krankheiten zuhause. Auch über die Kleidung der Kinder macht man sich nun Gedanken, fielen Begriffe wie Naturtextilien, Ökokleidung oder Naturwaren. Diese muss frei sein von jeglichen Schadstoffen sein und am besten aus Biobaumwolle hergestellt werden. Riecht irgendein Möbelstück oder Spielzeug verdächtig wird es sofort in den Keller verbannt. Lustig finde ich nur, dass genau diejenigen vorher kräftig über die “Ökos” geschimpft haben. Doch daran kann sich plötzlich keiner mehr erinnern. Vorher war ich der Experte im Bereich gesunder Ernährung, Heilpraktiker oder Naturtextilien und man redete oft gegen eine Wand und wurde nur mitleidig von den anderen belächelt. Nun sind einige sogar noch besser informiert als ich. Auch meine Schwester berichtete von wundersamen Verwandlungen von einem “Anti-Öko” in einen “Öko”. Wir haben uns schon oft darüber amüsiert, da gerade diese so extrem wurden und es uns sogar zuviel wurde. Mir fällt bei diesen Ökos aber oft auf, dass diesen zwar die eigene oder die Gesundheit der Kinder wichtig ist, aber die Auswirkungen von Schadstoffen auf die Umwelt oder der faire Handel interessiert sie nicht.
Dann gibt es aber auch noch das andere Extrem, die mit alledem nichts am Hut haben und für Biogemüse und Bioprodukte gar nichts übrig haben. Ich zum Beispiel kaufe meine Biogemüse bei einem Bio-Gärtner in der Nähe und nicht bei Aldi oder Lidl, da ich mich in diesen Läden einfach überhaupt nicht wohlfühle und auch kein gutes Gefühl dabei, ja sogar ein schlechtes Gewissen habe. Trotzdem muss ich mir jetzt fast jede Woche anhören, dass laut Ökotest dieses oder jenes Produkt von Aldi oder Lidl doch so gut abgeschnitten hat und manchmal sogar besser als ein Produkt aus dem Bioladen. Das mag ja sein, aber auch wenn es bei Lidl inzwischen Produkte aus fairem Handel gibt, finde ich es besser Bioprodukte in einem Bioladen zu kaufen. Schon alleine aus dem Grund, dass alle Discounter plötzlich auch auf den Biozug aufspringen, weil sie daran Geld verdienen möchten. Und es geht diesen Läden wirklich nur um das Geld und bestimmt nicht darum die Umwelt zu schützen oder aus Überzeugung und Liebe zu Bioprodukten. Und ich sehe nicht ein, dass ich den großen Discountern noch mehr Geld in die Tasche stecke und sich die Firmenchefs mit Ihren Luxusjachten irgendwo im Süden vergnügen und damit die Umwelt verpesten. Da unterstütze ich doch lieber den freundlichen Bioladeninhaber, der wirklich hinter dem steht was er verkauft und davon überzeugt ist.
Der faire Handel spielt für diese Gruppe von Menschen auch keine Rolle. Es will keiner hören, dass man beim Anbau der Biobaumwolle Unmengen von Pestiziden auf die Felder sprüht und eventuell ein Mensch in Indien dafür Mensch sein Leben lassen muss, weil er aufgrund des Kontaktes mit Pestiziden krank wird oder gar Selbstmord begeht, weil er völlig Pleite ist.
Es will in diese Köpfe auch einfach nicht reingehen, dass bei einem T-Shirt für 2 oder 3 Euro für die Näherinnen fast nichts mehr übrig bleibt außer ein paar Cent. Viele sind nicht bereit für ein Kleidungsstück mehr zu bezahlen und spricht man sie auf dieses Thema an, blocken Sie sofort ab und wechseln das Thema. Sie möchten es gar nicht hören und sich keine Gedanken darüber machen müssen.
Warum verschließen so viele Menschen die Augen und Ohren und warum ist es vielen Menschen egal wie ein Produkt hergestellt wird?
Ist es wirklich so wichtig, alles möglichst billig einkaufen zu können ohne Rücksicht auf Verluste?